Unterhaltsamer Abend
(lm) Schloßemer „s’Kännele“ strahlte schon von außen einladend – ein Wärme versprechendes Feuer im Hof und ein von Kerzenlicht romantisch beleuchteter Weg zu „Dialekt trifft Herz“ zeigte deutlich, dass die im Schloßauer Heimatbuch gedruckte und von Hans Slama rezitierte Ortslitanei „Wer kinnt durch Reischeboch uhgspott, durch Schärne uhg’ropft, durch Schlossi uhg‘schlache, der kann vun Glück sache“ heute maximal zum breiten Schmunzeln einlädt. Verantwortlich für den 1. Schloßauer Mundartabend war der Verein „örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach“ (VöG) in Kooperation mit „Mundartpapst“ Hans Slama als Ehrenvorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins, Dialektologin Dr. Isabell Arnstein sowie die Wirtsleute Christiane und Tom Blindert. Dr. Edmund Link – Vorsitzender des VöG und Vollblutmusiker – ging in seiner kurzen Begrüßung auf die Kunst der Menschen ein, eine Vielfalt von Tönen und Rhythmik zu erzeugen, die Sprache und Dialekt ebenso wie die Musik verbinden und zu etwas Einmaligem machen. „Seine Sprachlichtkeit“ Slama ergänzte, dass Dialekt ebenso verbinden wie ausgrenzen kann, aber eben ein Stück Heimat zum Mitnehmen ist.
(lm) Schloßemer „s’Kännele“ strahlte schon von außen einladend – ein Wärme versprechendes Feuer im Hof und ein von Kerzenlicht romantisch beleuchteter Weg zu „Dialekt trifft Herz“ zeigte deutlich, dass die im Schloßauer Heimatbuch gedruckte und von Hans Slama rezitierte Ortslitanei „Wer kinnt durch Reischeboch uhgspott, durch Schärne uhg’ropft, durch Schlossi uhg‘schlache, der kann vun Glück sache“ heute maximal zum breiten Schmunzeln einlädt. Verantwortlich für den 1. Schloßauer Mundartabend war der Verein „örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach“ (VöG) in Kooperation mit „Mundartpapst“ Hans Slama als Ehrenvorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins, Dialektologin Dr. Isabell Arnstein sowie die Wirtsleute Christiane und Tom Blindert. Dr. Edmund Link – Vorsitzender des VöG und Vollblutmusiker – ging in seiner kurzen Begrüßung auf die Kunst der Menschen ein, eine Vielfalt von Tönen und Rhythmik zu erzeugen, die Sprache und Dialekt ebenso wie die Musik verbinden und zu etwas Einmaligem machen. „Seine Sprachlichtkeit“ Slama ergänzte, dass Dialekt ebenso verbinden wie ausgrenzen kann, aber eben ein Stück Heimat zum Mitnehmen ist.
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Und wie unterschiedlich dieses „Babbeln wie ehm d‘ Schnabbel g’wagsche is“ sein kann, zeigten die Akteure des Abends eindrücklich in ihren Geschichten über Originale und Eigenarten ihrer Heimatdörfer in Schloßau – das nicht nur von den „Einheimischen“ als „Perle des Odenwalds und Meisterstück Gottes“ gesehen wird. VöG-Archivar Thomas Müller startete auch gleich mit der Geschichte vom „Baschle und em Seppl“ – zwei Originale, deren „Vergehen in der Schlossemer Kirche“ glücklicherweise von Bernd Grünwald schriftlich fixiert worden war.
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Für die ebenso gebannten wie schmunzelnden Zuhörer wurde die peinliche Stille erlebbar, als deren lautstarkes Viehhändler-Gespräch in direkter Nachbarschaft des erzürnten Orgel spielenden Lehrers durch selbigen für alle Kirchgänger hörbar wurde. Wie alle Beiträge dieses ersten Schloßauer Mundartabends, kann auch diese auf der entsprechenden Tafel auf dem einmaligen Mundartweg oder auf der Homepage des Bezirksmuseums Buchen immer wieder angehört werden. Mit dem musikalischen Beitrag über die „Ewwerbocher Kohleträgerschaft“, und dem anspruchsvollen Gedicht „Ich schwätz Deitsch, ich schwätz Palatinal“ – eine Sprache, die man auch in Übersee versteht - brachte der Eberbacher Roland Beigel samt Gitarre das Kurpfälzische näher, bevor Dr. Isabell Arnstein die fränkische Mundart im Dreiländereck aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtete, und wie sie selbst seit 2008 auf Anregung von Manfred Pfaus und dem Bezirksmuseum begeistert versucht, die gewachsenen Dialekte in bereits vorhandenen Sprachatlanten noch besser zu erläutern. Dabei stellte sie das Alleinstellungsmerkmal des vom HVV initiierten Mundartwegs in den Fokus, der die
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Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Dialekte von Großrinderfeld bis Neckarelz auf über 70 perfekt gestalteten Tafeln sicht- und hörbar macht. Wo ist die Grenze zwischen Huus, Haus und Hausch oder zwischen Appel und Apfel, Parrer und Pfarrer liegt - Dr. Arnstein konnte die Fragen beantworten, aber es gibt so manche Ausnahmen, die historisch einfach nicht oder noch nicht zu erklären sind. Vermutlich gehört dazu auch das „ebbs“ oder „ebbes“, das Ursula-Brigitte Geier von den Kiwwelschissern bemüht war, der Welt näher zu bringen. „Ebbes“ kann eben vieles sein: „ma lernt ebbes, weeß dann ebbes und bringt’s zu Ebbes. Ma griecht manchmol ebbes und verdient ebbes vielleicht!“ Sie wußte auch von der „seltsamen Zahnpasta“ zu berichten, die war „Ebbes, wo der Mamme den Mund zuklebte“ zur Erleichterung vom Babbe, der dem Krämer für die Verwechslung von Zahnpasta und Uhu ein Extra-Geldstück zusteckte.
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Schwieriger war es für den in Hesselbach aufgewachsenen Rainer Müller, denn die Hesselbacher hatten keine Geschichten aufgeschrieben und die „Alten“ war leider schon verstorben . Dafür war dem in Mudau verheirateten Rechtsanwalt die Geschichte um das Aufstellen der Mundarttafel im Oberzehnter Stadtteil „Hesselboch“ durchaus ein schmunzelnder Rückblick wert. Denn eineinhalb Stunden Besprechung im örtlichen Dorfgemeinschaftshaus ging nur mit schriftlichen Vertrag von der Stadt Oberzehnt zur Gebühr von 6 Euro. Danach stellte man erst gar nicht den Antrag zum Aufstellen der Tafel im öffentlichen Raum, sondern einigte sich unbürokratisch mit dem Familie Grünvogel von der einzigen und hoch gelobten Dorfwirtschaft „Zum grünen Baum“, wo die Tafel ihren Platz fand. Nach diesem komödiantischen Ausflug ins Hessische strapazierte Heidrun Eyermann die Lachmuskeln der Anwesenden mit ihrer Geschichte von der Owwerischen Eselskerwe und dem besonderen Menschenschlag der Obrigheimer, die bekannt seien für die Oou-Begrüßung, Kropf und dem Wetteifern mit Diedesheim.
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In einem bewundernden Gedicht aber auch für ihre Begeisterung für den „Winterhauch“, dessen glitzernde Schneeschönheit am Neckar so gut wie nie zu finden ist.
Mit der lustigen Geschichte aus dem Schloßauer Heimatbuch, die eine Bürgermeisterwahl von 1922 mit drei Dutzend möglichen Kandidaten nach besonders „liebreizenden“ Hausnamen beschreibt, und dem Gedicht zur Namengebung der „Seitze-Buche“ und damit der zweiten Schloßauer Mundarttafel schloss Thomas Müller vom gastgebenden VöG den Reigen der ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Beiträge bevor mit einem Dank an alle Akteure des Abends von Hans Slama, anhaltendem Beifall der Gäste und dem gemeinsam gesungenen Badnerlied der „Winterhauch“ mit Schneetreiben auf dem Heimweg seinem Namen alle Ehre machte. L.M. |