Bildstockwanderung
Firmlinge erkunden Schloßauer Bildstöcke
Den Firmlingen der Seelsorgeeinheit Mudau wurde auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Projekten für ihre Firmvorbereitung angeboten. Bei dem Projekt „Bildstockwanderung durch Schloßau“ nahmen immerhin 14 Firmanden teil – mehr denn je. Nach einer ausführlichen Einführung zu der Entwicklung des katholischen Glaubens leitete Historiker Thomas Müller vom Verein Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach über zur Christianisierung des Mudauer Raums und der Entwicklung der Odenwalddörfer. Er führte weiter aus, wie die ersten Steinkreuze als Sühnekreuze aufgestellt wurden und sich danach Bildstöcke als Zeugnisse des Glaubens entwickelten. Bei diesen war nun zumeist ein Gelübde oder ein Ereignis der Grund der Errichtung. Auch die Formen der Bildstöcke und die Künstler wurden zunächst näher erklärt, bevor sich die Firmandengruppe auf den Weg durch das Dorf machte.
Den Firmlingen der Seelsorgeeinheit Mudau wurde auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Projekten für ihre Firmvorbereitung angeboten. Bei dem Projekt „Bildstockwanderung durch Schloßau“ nahmen immerhin 14 Firmanden teil – mehr denn je. Nach einer ausführlichen Einführung zu der Entwicklung des katholischen Glaubens leitete Historiker Thomas Müller vom Verein Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach über zur Christianisierung des Mudauer Raums und der Entwicklung der Odenwalddörfer. Er führte weiter aus, wie die ersten Steinkreuze als Sühnekreuze aufgestellt wurden und sich danach Bildstöcke als Zeugnisse des Glaubens entwickelten. Bei diesen war nun zumeist ein Gelübde oder ein Ereignis der Grund der Errichtung. Auch die Formen der Bildstöcke und die Künstler wurden zunächst näher erklärt, bevor sich die Firmandengruppe auf den Weg durch das Dorf machte.
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Entlang der Wegstrecke erfuhr die Gruppe dann die Geschichten zu 21 Bildstöcken als steinerne Zeugen der Volksfrömmigkeit. Hierbei erzählte der Historiker auch Sagen und Geschichten zu den jeweiligen Bildnissen. Beim Rundgang durch das Dorf zeigte Müller den Jugendlichen neben den jeweiligen Standorten der Bildnisse auch historische Plätze und Wege des „alten“ Schloßau. Am Ende der dreistündigen Führung zeigten sich die Firmanden überrascht über die Mühen und den tiefgründigen Glauben der Menschen vergangener Zeiten.
Thomas Müller, März 2022 |
150 Jahre Pfarrei
Das Werden der Pfarrei Schloßau vor 150 Jahren
Am 22. Mai jährt sich zum 150. Mal die Ernennung der Kirchengemeinde Schloßau zur selbständigen Pfarrei Schloßau. Es war dem unermüdlichen Willen, den Entbehrungen und freiwilligen Leistungen der Schloßauer Bürger über drei Generationen hinweg zu verdanken, dass dieses Vorhaben überhaupt möglich war.
Im Zuge der Zusammenlegung von Pfarrgemeinden zu großen Seelsorgeeinheiten und angesichts weiter sinkender Kirchenbesucherzahlen ist ein solcher Schritt heute hingegen kaum noch vorstellbar.
Ausgangspunkt war damals das kleine beschauliche Hollerbach bei Buchen als zentrale Anlaufstelle der Gottesdienstbesucher unserer Region. Die Katholiken aus 27 Filialorten marschierten ab dem Jahr 1277 an jedem Sonn- und Feiertag zu den Gottesdiensten in der Hollerbacher Kirche und diese war jedes Mal übervoll. So ging das bis zum Jahr 1426. In diesem Jahr spaltete sich Mudau mit 14 Filialen von der Hollerbacher Mutterkirche ab und wurde zur eigenen Pfarrei Mudau. Fortan gingen die Gläubigen der Mudauer Filialorte mehrere Jahrhunderte lang zu Gottesdiensten in ihre Stammkirche nach Mudau (Bild 7). Im 18. Jhdt. stiegen allmählich die Bevölkerungszahlen an. In Mudau herrschte bald Platznot. Viele Filialorte begannen nun mit den Planungen eigener Kirchen oder Kapellen. Auch die Schloßauer bauten in den Jahren 1731/1732 am Ortsrand Richtung Mudau eine kleine Kapelle, die dem heiligen Wolfgang geweiht wurde (Bild 1). Sie war nur 33 Schuh lang und 16 Schuh breit. Ab nun hielt der Mudauer Kaplan hier ab und an Gottesdienst. Als Fortbewegungsmittel für die auswärtigen Gottesdienste hatte er ein Pferd. Hierfür mussten die Familien der Dörfer, in denen er Gottesdienste abhielt, den Kaplan alljährlich bezahlen und Hafer für das Pferd (den Reithafer) abgeben. Diese Abgaben führte immer wieder zu Streit, da die Gläubigen der Filialkirchen die Häufigkeit der Messen und das „Verkehrsmittel“ des Pfarrers genau betrachteten, denn nur allzu häufig kam der Pfarrer zu Fuß und man verweigerte ihm im Nachgang den Reithafer. Der Unmut über wenige Gottesdienste und trotzdem hohe Kosten erweckte in den Ortschaften den Wunsch nach einem eigenen Seelsorger. Die Umstände der vermehrt errichteten Kirchen und Kapellen gefiel den Mudauern gar nicht, denn mit den weniger werdenden Kirchenbesuchern verringerten sich auch die Pfründe der Mudauer Kirche sowie die Umsätze in den Schankwirtschaften nach den Gottesdienstbesuchen (Bild 6).
Auch das beschauliche Schloßau wuchs weiter, so dass die vorhandene Kapelle, selbst bei den wenigen Gottesdiensten, schon bald zu klein wurde. Nach der französischen Revolution um 1790 versuchte man in Schloßau dauerhaft einen Emigrantenpriester für regelmäßige Gottesdienste zu gewinnen. Dies scheiterte jedoch. Um 1806 wurde von zwei Schloßauer Bürgern die Eingabe gemacht, einen regelmäßigen Sonn- und Feiertagsgottesdienst einzuführen. Dieser Wunsch wurde u.a. abgelehnt, weil die Kapelle auf lange Sicht zu klein sei für regelmäßige Gottesdienste, zumal damit kalkuliert wurde, dass der „Zulauf“ weiter ansteige. Da ein permanenter Kaplan für die Schloßauer zudem alljährlich mit 200 Gulden aus dem Gemeinde-Etat zu Buche geschlagen hätte, verfolgten die beiden Privatleute diese Idee erst einmal nicht weiter.
Um 1824 zeigte der Schloßauer Gemeinderat gegenüber dem badischen großherzoglichen Staatsministerium auf, dass sowohl der Mudauer Kaplan, als auch die Kirche daselbst aufgrund der hohen Bevölkerungszahl inzwischen an ihre Grenze gelangt seien und ein zweiter Kaplan sowie eine größere Kirche für Schloßau nun unumgänglich seien. Diesem Gedanken war man jetzt nicht mehr abgeneigt und so folgten ab nun Planungen zur Finanzierung und Errichtung einer größeren Kirche für Schloßau unter Einbezug der katholischen Gläubigen aus Schöllenbach, Ernsttal, Galmbach und Mörschenhardt. Auch andere Dörfer wuchsen und so plante zur gleichen Zeit auch Oberscheidental die Abspaltung von der Mudauer Kirche, ebenfalls unter Einbeziehung anderer Dörfer. Zunächst verlief das Vorhaben für Schloßau noch im Sand, doch nahmen die Schloßauer immer wieder Anläufe. 1861 erfolgte eine weitere Eingabe des Schloßauer Gemeinderates beim Bezirksamt Buchen, dass man sogar eine Kirche mit einer Kapazität für 1000 Gläubige plane. Es wurde ein Bauplan vorgelegt, der zunächst noch nicht genehmigt wurde. Daraufhin wurde vom Buchener Bezirksamt in Wertheim ein geänderter Plan in Auftrag gegeben. Die Schloßauer drängten daraufhin auf eine baldige Genehmigung, da man bereits über Winter mit dem Holzeinschlag und dem Steine-Abbau in den Schloßauer Steinbrüchen beginnen wolle. Finanzieren wollte man den Bau mit einem Kredit von 3000 Gulden sowie durch Spenden und einem gemeinde-eigenem Geländeverkauf im Schöllenbacher Tal. Die Schloßauer standen hinter dem Vorhaben und ihnen war schon zu Beginn der Finanzplanungen bewusst, dass der Kirchenneubau nur durch den Zusammenhalt und die Unterstützung aller Schloßauer durchgeführt werden könne. Da aus Freiburg in Aussicht gestellt wurde, dass es nach dem Kirchenneubau tatsächlich auch einen regelmäßigen Sonn- und Feiertagsgottesdienst in Schloßau geben wird, machte man sich schließlich an die Umsetzung des Kirchenbauprojektes. Der in Aussicht gestellte Seelsorger solle dann aus einem Fonds bezahlt werden.
Am 24. Februar 1861 kamen schließlich die neuen Pläne aus Wertheim und bereits im März machte man sich an die detaillierten Planungen. Ein Jahr später, am 10. März 1862, wurde in einer öffentlichen Gemeinderatsitzung der gesamten Bevölkerung das Projekt vorgestellt und die Bedenken und Fragen der Versammlung - erschienen waren nahezu alle stimmberechtigten Schloßauer Bürger - gehört. Alle stimmten abschließend mit „Ja“ und so wurden im Nachgang sämtliche Hauptarbeiten für 8.400 Gulden vom Schloßauer Gemeinderat an Maurermeister Frauenschuh aus Oberdielbach abgegeben, ein kluger Schachzug, denn so hatte man nur einen Ansprechpartner, der die Planungen und Wünsche umzusetzen hatte. Daraufhin wurde vom Bezirksamt Buchen am 18. Mai 1862 die Genehmigung erteilt und es konnte endlich losgehen.
Am 18. Juni 1864 konnte schließlich die neue Kirche „mit dem größten Freudenfeste, das die Gemeinde Schloßau bis dato jemals abgehalten hatte,“ eingeweiht werden. Zum Abschluss sämtlicher Arbeiten hatte die katholische Kirche mit einer Kollekte 2.700 Gulden beigesteuert, wobei die Gemeinde Schloßau zusätzlich 13.000 Gulden für das Projekt aufgewendet hatte. Was noch fehlte, war ein Kirchturm, was sich die nächsten 33 Jahre auch nicht ändern sollte. Die alte Kapelle diente in dieser Zeit als Vorhalle der neu erbauten Kirche (Bild 2). Ab 1864 lag die oberste Priorität nämlich auf der Errichtung einer eigenen Pfarrei. Hierzu war u.a. noch ein kircheneigener Friedhof erforderlich, der bereits im Jahr 1866 eröffnet wurde. Zudem wurde für 2.799 Gulden auf Gemeindekosten noch ein zweistöckiges, strohgedecktes Pfarrhaus gebaut, welches viele Jahre auch als Sakristei genutzt wurde. Der Pfarrer zog nämlich bei Wind und Wetter direkt hinter dem Hochaltar in die Kirche ein, da damals kein Anbau einer Sakristei vorhanden war. Mit dem Pfarrhausbau war das ganze Geld verbraucht, aber nun sah man sich in der Lage, den Antrag für eine eigene Pfarrei Schloßau zu stellen. Vor 150 Jahren, am 22. Mai 1870, war es dann soweit, die Erektionsurkunde zur Gründung der Pfarrei Schloßau unter Einbeziehung einiger angrenzenden Ortschaften konnte von der Kanzel verlesen werden. Die Kirche St. Wolfgang wurde zur Pfarrkirche erhoben. Damit war die Pfarrei Schloßau nun losgelöst von der Pfarrei Mudau. In den ersten Jahren ordnete sich die Pfarrei und tilgte fleißig Schulden, bis Mitte der 1890er Jahre die Planungen für den Turmbau begannen. Im Jahr 1871 wurde der Gulden von der Mark abgelöst. Die Kosten für den Turmbau wurden zunächst mit 12.000 Mark veranschlagt. Der Grundstein des Turms zeigt heute das Jahr 1898 und nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1899 waren 14.000 Mark verbraucht. Es konnte noch ein Geläut für 3.200 Mark und im gleichen Jahr eine Kirchturmuhr für 1.086 Mark, finanziert von der politischen Gemeinde, angeschafft werden, so dass um die Jahrhundertwende 1900 die Pfarrkirche St. Wolfgang als Herz der Pfarrgemeinde Schloßau komplett fertig war (Bild 3). Zieht man an dieser Stelle ein Fazit, dann waren es über mehr als 70 Jahre hinweg der unermüdliche Wille und die freiwilligen Leistungen und Entbehrungen der Schloßauer Bürger, die das Werden einer Pfarrgemeinde Schloßau überhaupt erst ermöglichten. Somit gilt den Christen der damaligen Zeit, die es den Schloßauer Bürgern vielerorts gleichtaten und dank ihrer Willenskraft wunderschöne Gotteshäuser errichteten, unser aller Respekt!
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation, kann das 150-jährige Jubiläum leider nur in einem kleineren Rahmen begangen werden.
Am 22. Mai jährt sich zum 150. Mal die Ernennung der Kirchengemeinde Schloßau zur selbständigen Pfarrei Schloßau. Es war dem unermüdlichen Willen, den Entbehrungen und freiwilligen Leistungen der Schloßauer Bürger über drei Generationen hinweg zu verdanken, dass dieses Vorhaben überhaupt möglich war.
Im Zuge der Zusammenlegung von Pfarrgemeinden zu großen Seelsorgeeinheiten und angesichts weiter sinkender Kirchenbesucherzahlen ist ein solcher Schritt heute hingegen kaum noch vorstellbar.
Ausgangspunkt war damals das kleine beschauliche Hollerbach bei Buchen als zentrale Anlaufstelle der Gottesdienstbesucher unserer Region. Die Katholiken aus 27 Filialorten marschierten ab dem Jahr 1277 an jedem Sonn- und Feiertag zu den Gottesdiensten in der Hollerbacher Kirche und diese war jedes Mal übervoll. So ging das bis zum Jahr 1426. In diesem Jahr spaltete sich Mudau mit 14 Filialen von der Hollerbacher Mutterkirche ab und wurde zur eigenen Pfarrei Mudau. Fortan gingen die Gläubigen der Mudauer Filialorte mehrere Jahrhunderte lang zu Gottesdiensten in ihre Stammkirche nach Mudau (Bild 7). Im 18. Jhdt. stiegen allmählich die Bevölkerungszahlen an. In Mudau herrschte bald Platznot. Viele Filialorte begannen nun mit den Planungen eigener Kirchen oder Kapellen. Auch die Schloßauer bauten in den Jahren 1731/1732 am Ortsrand Richtung Mudau eine kleine Kapelle, die dem heiligen Wolfgang geweiht wurde (Bild 1). Sie war nur 33 Schuh lang und 16 Schuh breit. Ab nun hielt der Mudauer Kaplan hier ab und an Gottesdienst. Als Fortbewegungsmittel für die auswärtigen Gottesdienste hatte er ein Pferd. Hierfür mussten die Familien der Dörfer, in denen er Gottesdienste abhielt, den Kaplan alljährlich bezahlen und Hafer für das Pferd (den Reithafer) abgeben. Diese Abgaben führte immer wieder zu Streit, da die Gläubigen der Filialkirchen die Häufigkeit der Messen und das „Verkehrsmittel“ des Pfarrers genau betrachteten, denn nur allzu häufig kam der Pfarrer zu Fuß und man verweigerte ihm im Nachgang den Reithafer. Der Unmut über wenige Gottesdienste und trotzdem hohe Kosten erweckte in den Ortschaften den Wunsch nach einem eigenen Seelsorger. Die Umstände der vermehrt errichteten Kirchen und Kapellen gefiel den Mudauern gar nicht, denn mit den weniger werdenden Kirchenbesuchern verringerten sich auch die Pfründe der Mudauer Kirche sowie die Umsätze in den Schankwirtschaften nach den Gottesdienstbesuchen (Bild 6).
Auch das beschauliche Schloßau wuchs weiter, so dass die vorhandene Kapelle, selbst bei den wenigen Gottesdiensten, schon bald zu klein wurde. Nach der französischen Revolution um 1790 versuchte man in Schloßau dauerhaft einen Emigrantenpriester für regelmäßige Gottesdienste zu gewinnen. Dies scheiterte jedoch. Um 1806 wurde von zwei Schloßauer Bürgern die Eingabe gemacht, einen regelmäßigen Sonn- und Feiertagsgottesdienst einzuführen. Dieser Wunsch wurde u.a. abgelehnt, weil die Kapelle auf lange Sicht zu klein sei für regelmäßige Gottesdienste, zumal damit kalkuliert wurde, dass der „Zulauf“ weiter ansteige. Da ein permanenter Kaplan für die Schloßauer zudem alljährlich mit 200 Gulden aus dem Gemeinde-Etat zu Buche geschlagen hätte, verfolgten die beiden Privatleute diese Idee erst einmal nicht weiter.
Um 1824 zeigte der Schloßauer Gemeinderat gegenüber dem badischen großherzoglichen Staatsministerium auf, dass sowohl der Mudauer Kaplan, als auch die Kirche daselbst aufgrund der hohen Bevölkerungszahl inzwischen an ihre Grenze gelangt seien und ein zweiter Kaplan sowie eine größere Kirche für Schloßau nun unumgänglich seien. Diesem Gedanken war man jetzt nicht mehr abgeneigt und so folgten ab nun Planungen zur Finanzierung und Errichtung einer größeren Kirche für Schloßau unter Einbezug der katholischen Gläubigen aus Schöllenbach, Ernsttal, Galmbach und Mörschenhardt. Auch andere Dörfer wuchsen und so plante zur gleichen Zeit auch Oberscheidental die Abspaltung von der Mudauer Kirche, ebenfalls unter Einbeziehung anderer Dörfer. Zunächst verlief das Vorhaben für Schloßau noch im Sand, doch nahmen die Schloßauer immer wieder Anläufe. 1861 erfolgte eine weitere Eingabe des Schloßauer Gemeinderates beim Bezirksamt Buchen, dass man sogar eine Kirche mit einer Kapazität für 1000 Gläubige plane. Es wurde ein Bauplan vorgelegt, der zunächst noch nicht genehmigt wurde. Daraufhin wurde vom Buchener Bezirksamt in Wertheim ein geänderter Plan in Auftrag gegeben. Die Schloßauer drängten daraufhin auf eine baldige Genehmigung, da man bereits über Winter mit dem Holzeinschlag und dem Steine-Abbau in den Schloßauer Steinbrüchen beginnen wolle. Finanzieren wollte man den Bau mit einem Kredit von 3000 Gulden sowie durch Spenden und einem gemeinde-eigenem Geländeverkauf im Schöllenbacher Tal. Die Schloßauer standen hinter dem Vorhaben und ihnen war schon zu Beginn der Finanzplanungen bewusst, dass der Kirchenneubau nur durch den Zusammenhalt und die Unterstützung aller Schloßauer durchgeführt werden könne. Da aus Freiburg in Aussicht gestellt wurde, dass es nach dem Kirchenneubau tatsächlich auch einen regelmäßigen Sonn- und Feiertagsgottesdienst in Schloßau geben wird, machte man sich schließlich an die Umsetzung des Kirchenbauprojektes. Der in Aussicht gestellte Seelsorger solle dann aus einem Fonds bezahlt werden.
Am 24. Februar 1861 kamen schließlich die neuen Pläne aus Wertheim und bereits im März machte man sich an die detaillierten Planungen. Ein Jahr später, am 10. März 1862, wurde in einer öffentlichen Gemeinderatsitzung der gesamten Bevölkerung das Projekt vorgestellt und die Bedenken und Fragen der Versammlung - erschienen waren nahezu alle stimmberechtigten Schloßauer Bürger - gehört. Alle stimmten abschließend mit „Ja“ und so wurden im Nachgang sämtliche Hauptarbeiten für 8.400 Gulden vom Schloßauer Gemeinderat an Maurermeister Frauenschuh aus Oberdielbach abgegeben, ein kluger Schachzug, denn so hatte man nur einen Ansprechpartner, der die Planungen und Wünsche umzusetzen hatte. Daraufhin wurde vom Bezirksamt Buchen am 18. Mai 1862 die Genehmigung erteilt und es konnte endlich losgehen.
Am 18. Juni 1864 konnte schließlich die neue Kirche „mit dem größten Freudenfeste, das die Gemeinde Schloßau bis dato jemals abgehalten hatte,“ eingeweiht werden. Zum Abschluss sämtlicher Arbeiten hatte die katholische Kirche mit einer Kollekte 2.700 Gulden beigesteuert, wobei die Gemeinde Schloßau zusätzlich 13.000 Gulden für das Projekt aufgewendet hatte. Was noch fehlte, war ein Kirchturm, was sich die nächsten 33 Jahre auch nicht ändern sollte. Die alte Kapelle diente in dieser Zeit als Vorhalle der neu erbauten Kirche (Bild 2). Ab 1864 lag die oberste Priorität nämlich auf der Errichtung einer eigenen Pfarrei. Hierzu war u.a. noch ein kircheneigener Friedhof erforderlich, der bereits im Jahr 1866 eröffnet wurde. Zudem wurde für 2.799 Gulden auf Gemeindekosten noch ein zweistöckiges, strohgedecktes Pfarrhaus gebaut, welches viele Jahre auch als Sakristei genutzt wurde. Der Pfarrer zog nämlich bei Wind und Wetter direkt hinter dem Hochaltar in die Kirche ein, da damals kein Anbau einer Sakristei vorhanden war. Mit dem Pfarrhausbau war das ganze Geld verbraucht, aber nun sah man sich in der Lage, den Antrag für eine eigene Pfarrei Schloßau zu stellen. Vor 150 Jahren, am 22. Mai 1870, war es dann soweit, die Erektionsurkunde zur Gründung der Pfarrei Schloßau unter Einbeziehung einiger angrenzenden Ortschaften konnte von der Kanzel verlesen werden. Die Kirche St. Wolfgang wurde zur Pfarrkirche erhoben. Damit war die Pfarrei Schloßau nun losgelöst von der Pfarrei Mudau. In den ersten Jahren ordnete sich die Pfarrei und tilgte fleißig Schulden, bis Mitte der 1890er Jahre die Planungen für den Turmbau begannen. Im Jahr 1871 wurde der Gulden von der Mark abgelöst. Die Kosten für den Turmbau wurden zunächst mit 12.000 Mark veranschlagt. Der Grundstein des Turms zeigt heute das Jahr 1898 und nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1899 waren 14.000 Mark verbraucht. Es konnte noch ein Geläut für 3.200 Mark und im gleichen Jahr eine Kirchturmuhr für 1.086 Mark, finanziert von der politischen Gemeinde, angeschafft werden, so dass um die Jahrhundertwende 1900 die Pfarrkirche St. Wolfgang als Herz der Pfarrgemeinde Schloßau komplett fertig war (Bild 3). Zieht man an dieser Stelle ein Fazit, dann waren es über mehr als 70 Jahre hinweg der unermüdliche Wille und die freiwilligen Leistungen und Entbehrungen der Schloßauer Bürger, die das Werden einer Pfarrgemeinde Schloßau überhaupt erst ermöglichten. Somit gilt den Christen der damaligen Zeit, die es den Schloßauer Bürgern vielerorts gleichtaten und dank ihrer Willenskraft wunderschöne Gotteshäuser errichteten, unser aller Respekt!
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation, kann das 150-jährige Jubiläum leider nur in einem kleineren Rahmen begangen werden.
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Ehemalige Kapelle von Schloßau, erbaut 1730/1731 33 Jahre lang prägte die alte Kapelle als Anbau an der neuen Kirche das Schloßauer Ortsbild. 1897 wurde sie durch einen Turm ersetzt. Kirche St. Wolfgang um 1905 Die Kirche thront über dem Dorf am Ortsausgang in Richtung Mudau. Zusammen mit der alten Schule, dem Rathaus, dem Pfarrhaus und einer Gaststätte war dies einst der Dorfmittelpunkt. Vom Schloßauer Wasserturm bietet sich heute ein herrlicher Blick auf den Bereich um die Kirche. Mudau Hauptstraße um 1910 Ansicht von Mudau |
Text und Bilder bzw. Repros: Thomas Müller, Mai 2020
Müllerkapelle
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Dieser wunderschöne Kapellenbildstock steht etwa 50 Meter nach der Einmündung vom Eichfeld in die L524, an der Straße zwischen Mudau und Oberscheidental, etwas versteckt am Waldrand. Es ist bereits der dritte Standort dieser Kapelle, die auf das ehemalige „Müller-Gut“ aus Waldauerbach zurückgeht. Dies war früher ein großes, stolzes Gehöft im Osten von Waldauerbach.
Gebaut wurde sie im Jahr 1760 auf dem sog. Kapellenbuckel, am Ende des alten Kirchenweges nach Mudau, dort wo die Straße zwischen Scheidental und Mudau nach der Senke einen Buckel hinauf führt. Dieser Buckel war früher deutlich höher. An dieser Stelle endete ehemals auch der Wald des Valentin Müller, der bald nach dem Bau der Kapelle ein Stück Wald an den Rüdt v. Collenberg verkaufte. Die Kapelle wollte er aber auf seinem Besitz haben. Deshalb hat er sie an die neue Grenze, beim Beginn des Weges vom „Eichfeld“ nach Waldauerbach auf die andere Straßenseite versetzen lassen. Als dann 1963 die neue Straße Mudau-Scheidental gebaut wurde, war die Kapelle nun dem Straßenbau im Wege und man hat sie ein drittes Mal um ca. 50 m in Richtung Mudau an den Waldrand umgesetzt. |
Heinrich Hansjakob, der Volksschriftsteller und Kulturhistoriker, erwähnt die Kapelle sogar in seinem Buch “Sommerfahrten”:
“Ich kam an ein einsames Waldkapellchen, das der Schulteis Valentin Müller von Waldauerbach und seine ehrliche Hausfrau Barbara Anno 1760 gestiftet haben. Dasselbe enthält nichts als ein altes kunstloses Steinbild, Maria mit ihrem toten Sohne darstellend. Was mir aber zu Herzen ging, das war der schöne Vers: “Kein Kind so lieb, kein Schmerz so groß, als Jesus auf der Mutter Schoß.”
Weiter heißt es dort: „Valentin Müller, Schultheis zu Waldauerbach und Barbara, seine Ehefrau, haben dieses Bild machen lassen“.
Wie die Kirchenbücher Mudaus verzeichnen, war Johann Valentin Müller der Sohn der Eheleute Adam und Anna Müller aus Langenelz. Sein Pate, Valentin Schreyer, war Bürgermeister aus Langenelz. Die Taufe war am 01.09.1699. Wann er letztendlich nach Waldauerbach umgezogen ist und seine Ehefrau heiratete ist nicht bekannt. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:
Bereits am 15. März 1753 verstarb die Mutter im Alter von nur 47 Jahren, während der Vater erst mit 83 Jahren am 28.10.1782 verstarb.
Leider ist in den Mudauer Kirchenbüchern nicht niedergeschrieben, ob die Mutter Barbara plötzlich oder erst nach längerer Krankheit gestorben ist. Aus einem Grund hatten die Eheleute aber die Kapelle gelobt. Da die Ehefrau aber bereits 1753, also sieben Jahre vor der Errichtung der Kapelle starb, könnte der Grund des Versprechens eine längere Krankheit der Barbara gewesen sein, falls durch dieses Opfer die Frau wieder gesund wird.
“Ich kam an ein einsames Waldkapellchen, das der Schulteis Valentin Müller von Waldauerbach und seine ehrliche Hausfrau Barbara Anno 1760 gestiftet haben. Dasselbe enthält nichts als ein altes kunstloses Steinbild, Maria mit ihrem toten Sohne darstellend. Was mir aber zu Herzen ging, das war der schöne Vers: “Kein Kind so lieb, kein Schmerz so groß, als Jesus auf der Mutter Schoß.”
Weiter heißt es dort: „Valentin Müller, Schultheis zu Waldauerbach und Barbara, seine Ehefrau, haben dieses Bild machen lassen“.
Wie die Kirchenbücher Mudaus verzeichnen, war Johann Valentin Müller der Sohn der Eheleute Adam und Anna Müller aus Langenelz. Sein Pate, Valentin Schreyer, war Bürgermeister aus Langenelz. Die Taufe war am 01.09.1699. Wann er letztendlich nach Waldauerbach umgezogen ist und seine Ehefrau heiratete ist nicht bekannt. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:
- am 08.09.1729 dem Johann Michael Müller
- am 16.02.1731 der Maria Agnes Müller
- am 09.03.1732 dem Josef Valentin Müller und
- am 09.09.1733 der Anna Maria Müller
Bereits am 15. März 1753 verstarb die Mutter im Alter von nur 47 Jahren, während der Vater erst mit 83 Jahren am 28.10.1782 verstarb.
Leider ist in den Mudauer Kirchenbüchern nicht niedergeschrieben, ob die Mutter Barbara plötzlich oder erst nach längerer Krankheit gestorben ist. Aus einem Grund hatten die Eheleute aber die Kapelle gelobt. Da die Ehefrau aber bereits 1753, also sieben Jahre vor der Errichtung der Kapelle starb, könnte der Grund des Versprechens eine längere Krankheit der Barbara gewesen sein, falls durch dieses Opfer die Frau wieder gesund wird.
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Das Erbauungsjahr 1760 lässt allerdings auch den Schluss zu, das der Witwer Valentin Müller erst um 1760 finanziell in der Lage war, die Kapelle nun zu errichten.
Viele haben im Laufe der letzten 200 Jahren diesem unscheinbaren Kapellchen ihren Besuch abgestattet. Auf dem ehemaligen Holzgatter, welches das Kapelleninnere abschloss, haben zahlreiche Besucher, teils mit geübter, teils mit ungeübter Hand, ihren Namen hinterlassen. Auffallend daran ist, dass gerade in den beiden letzten Weltkriegen sehr viele Beter die Kapelle aufsuchten. Nur die Namen und die Jahreszahl wurden damals in das Holz geritzt. Texte: In den Ecken der Inschrifttafel: 1 7 6 0 und dem Rundbogen M RIA V M KEIN KIND SO LIEB KEIN SCHMERTZ SO GROS ALS JESUS AUF SEINER MUTTER SCHOSS VALENTIN MÜLER SCHULDHEIS ZU WALDAUERBACH UND BARBARA SEINE HAUSFRAV HABEN DIESES BILD MACHEN LASEN |
Auf dem Altartisch steht eine aus einem Findlingsblock von rotem Sandstein gehauene 90 cm hohe Pieta. Der Künstler wusste den toten Heiland im Schoße seiner Mutter so darzustellen, dass der Betrachter vom Leid der göttlichen Mutter Maria ergriffen wird. Technik und Arbeitsmethode, sowie der Stil lassen vermuten, dass der Bildhauer und Maler Nikolaus Hoff (1722 – 1185) aus Mudau dieses Werk im Auftrag des Schultheiß Valentin Müller erschaffen hat. Er war ein bedeutender Künstler seiner Zeit in unserer Region.
Thomas Müller, Schloßau 2016
Quelle: Archiv Bruno Trunk
Thomas Müller, Schloßau 2016
Quelle: Archiv Bruno Trunk
Pfarrer Lahner
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Wer war Pfarrer Lahner?
In Schloßau gibt es eine Pfarrer-Lahner-Straße. Wer war eigentlich dieser Pfarrer Lahner? Welche Ereignisse sind mit seiner Amtszeit verbunden? Johann Lahner war von 1916 bis zu seinem Tod 1934, also 18 Jahre lang, der 4. Pfarrer von Schloßau. Geboren wurde er am 7.1.1877 in Oberwittighausen (heute Main-Tauber-Kreis), am 2.7.1903 wurde er zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Stationen im Schwarzwald (1903 – 1905 Kaplan in Oberwinden, 1905 – 1910 Pfarrvikar in Forchheim, März – September 2010 Pfarrverweser in Waldkirch, September 1910 – September 2014 Pfarrverweser in Unteribach) kam er 1914 als Pfarrkurat von Wagenschwend erstmals in unsere |
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Erstkommunion 1920
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Gegend, bevor er am 26.7.1916 – also mitten im 1. Weltkrieg - durch Dekan Weiland aus Hainstadt als Pfarrer von Schloßau investiert wurde.
Er löste Josef Schmitt ab, der als Nachfolger von Pfarrer Emil Väth (1899 – 1914) hier zwei Jahre als Pfarrverweser tätig war. In Forchheim soll Lahner sich um die innere Ausschmückung der neu erbauten Kirche besondere Verdienste erworben haben. In Schloßau hatte er erst einmal damit zu kämpfen, dass ab März 1917 überall Bronzeglocken vom Armeekorps beschlagnahmt wurden. Nach Eingabe der Gemeinde beim Bezirksamt wurde die größte und nicht - wie üblich - die kleinste der Glocken als Läuteglocke von der Ablieferung zurückgestellt, die anderen drei Glocken mussten aber am Bahnhof Buchen abgeliefert werden. Dem Wunsch, auch die zweitgrößte zurückzubehalten, wurde nicht stattgegeben. Zumal mussten die Prospektpfeifen der Orgel, welche erst kurz vorher gereinigt und repariert worden war, abgegeben werden. |
Schon im ersten Amtsjahr bot Pfarrer Lahner den Gläubigen geistige Übungen, Exerzitien und Glaubenstage an. Solche Exerzitien hatten zur Folge, dass sich 120 Frauen beim im Jahr 1916 gegründeten christlichen Mütterverein anmeldeten. Im Juli 1919 wurden durch einen Franziskanerpater Exerzitien für Frauen abgehalten, weil viele im Zuge der Revolution im November 1918 „jeglichen sittlichen Halt und Charakter“ verloren hatten.
Auch in Schloßau entstand der „dritte Orden“, eine Gemeinschaft für Menschen, die nicht das Ordensgelübde ablegen, sondern ihr normales Familien- und Berufsleben beibehalten, dabei jedoch ein besonders christliches Leben führen wollen. Im Jahre 1920 fand wieder eine Mission durch zwei Franziskaner-Pater statt – mit reger Beteiligung der Männer und jungen Frauen von Schloßau. 1921 wurde das Jubiläum des dritten Ordens (gegründet 1221) feierlich durch einen Franziskaner gehalten, ein Jahr später fand in der Pfarrei Schloßau ein Katholikentag statt und 1923 führten zwei Franziskaner die Missions-Erneuerung in Form von Exerzitien durch.
Die revolutionären Ideen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, denen sich Pfarrer Lahner nicht anschloss, wurden wohl auch von einigen Schloßauern getragen. Als der Pfarrer an Weihnachten 1919 vom Theaterspiel nach Hause ging, wurde er von einigen Burschen mit Steinen beworfen und in der Neujahrsnacht 1920 wurde gar ein Fenster im Pfarrhaus eingeworfen.
1920 wurde in Schloßau nicht nur für die hungernde Bevölkerung von Mannheim gesammelt – wie in vielen anderen Gemeinden auch –, sondern hier auch für zwei neue Glocken. So kamen bei einer Haus-Sammlung für die Glocken 15.000 Mark zusammen, 3.025 Mark wurden für die abgegebenen Glocken bezahlt, 3.000 Mark hat die Gemeinde dazugegeben, die restlichen gut 9.000 Mark konnte Pfarrer Lahner durch Betteln bei den Amerikanern auftreiben.
Das Jahr 1921 wurde für Pfarrer Lahner zu einem ereignisreichen. Am Fronleichnamstag marschierte der kurz zuvor wieder ins Leben gerufene Militärverein mit Fahne und Musik in militärischer Ordnung bei der Prozession mit. Auch als am 6. November im Rahmen des Patroziniumsfestes das vom Bildhauer Bernhard in Buchen gestaltete Kriegerdenkmal eingeweiht werden konnte, war der Verein stark vertreten. Und bereits eine Woche später fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung in einer feierlichen Zeremonie, zu der auch der erst zu Anfang des Jahres gegründete Männergesangverein beitrug, die Weihe von zwei neuen Glocken statt. Die beiden Glocken von der Firma Grüninger in Villingen waren für insgesamt 30.065 Mark erst wenige Tage vorher zum Bahnhof Kailbach geliefert und dort abgeholt worden.
Auch in Schloßau entstand der „dritte Orden“, eine Gemeinschaft für Menschen, die nicht das Ordensgelübde ablegen, sondern ihr normales Familien- und Berufsleben beibehalten, dabei jedoch ein besonders christliches Leben führen wollen. Im Jahre 1920 fand wieder eine Mission durch zwei Franziskaner-Pater statt – mit reger Beteiligung der Männer und jungen Frauen von Schloßau. 1921 wurde das Jubiläum des dritten Ordens (gegründet 1221) feierlich durch einen Franziskaner gehalten, ein Jahr später fand in der Pfarrei Schloßau ein Katholikentag statt und 1923 führten zwei Franziskaner die Missions-Erneuerung in Form von Exerzitien durch.
Die revolutionären Ideen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, denen sich Pfarrer Lahner nicht anschloss, wurden wohl auch von einigen Schloßauern getragen. Als der Pfarrer an Weihnachten 1919 vom Theaterspiel nach Hause ging, wurde er von einigen Burschen mit Steinen beworfen und in der Neujahrsnacht 1920 wurde gar ein Fenster im Pfarrhaus eingeworfen.
1920 wurde in Schloßau nicht nur für die hungernde Bevölkerung von Mannheim gesammelt – wie in vielen anderen Gemeinden auch –, sondern hier auch für zwei neue Glocken. So kamen bei einer Haus-Sammlung für die Glocken 15.000 Mark zusammen, 3.025 Mark wurden für die abgegebenen Glocken bezahlt, 3.000 Mark hat die Gemeinde dazugegeben, die restlichen gut 9.000 Mark konnte Pfarrer Lahner durch Betteln bei den Amerikanern auftreiben.
Das Jahr 1921 wurde für Pfarrer Lahner zu einem ereignisreichen. Am Fronleichnamstag marschierte der kurz zuvor wieder ins Leben gerufene Militärverein mit Fahne und Musik in militärischer Ordnung bei der Prozession mit. Auch als am 6. November im Rahmen des Patroziniumsfestes das vom Bildhauer Bernhard in Buchen gestaltete Kriegerdenkmal eingeweiht werden konnte, war der Verein stark vertreten. Und bereits eine Woche später fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung in einer feierlichen Zeremonie, zu der auch der erst zu Anfang des Jahres gegründete Männergesangverein beitrug, die Weihe von zwei neuen Glocken statt. Die beiden Glocken von der Firma Grüninger in Villingen waren für insgesamt 30.065 Mark erst wenige Tage vorher zum Bahnhof Kailbach geliefert und dort abgeholt worden.
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Außerdem entstand 1921 eine neue Sakristei und – wie schon erwähnt – das dritte-Orden-Jubiläum wurde durch einen Franziskaner feierlich gehalten.
Im Jahr 1922 zog endlich die Elektrizität in Schloßau ein, auch im Pfarrhaus und in der Kirche wurden die elektrischen Anlagen erstellt, deren Finanzierung Pfarrer Lahner wieder durch bei den Amerikanern erbetteltes Geld sicherstellte. Und – eher ohne kirchliche Beteiligung – wurde die DJK (Deutsche Jugendkraft) Schloßau gegründet, der Vorgänger des heutigen FC Schloßau. Überliefert für das Jahr 1923 ist eine – seit vielen Jahren am Sonntag nach „Mariä Heimsuchung“ (2. Juli) stattfindende - Wallfahrt von zahlreichen Gläubigen aus Mudau, Donebach, Mörschenhardt, Langenelz und Ernsttal zur Kirche in Schloßau. Im Jahr 1924 ließ Pfarrer Lahner den 1899 vollendeten |
Erstkommunion 1931
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Kirchturm renovieren und ausbessern. Dabei wurden auch die Zifferblätter der Uhr neu hergerichtet. Im gleichen Jahr wurde der Schützenverein gegründet.
1925 lebten in Schloßau 664 Einwohner. Pfarrer Lahner gründete den Kirchenchor und ließ die Orgel renovieren, für die er zudem einen elektrischen Winderzeuger beschaffte.
Am 7. Oktober 1926 fand eine Visitation der Pfarrei durch Dekan Weiland aus Hainstadt statt, in dessen Bericht es u.a. heißt: „Schloßau hat 676 Katholiken und 7 Protestanten. Auerbach hat 136 Katholiken und 1 Protestanten. Die Kirche … befindet sich in gutem Zustand … ist aber feucht…. Die 2 Beichtstühle sind nicht recht bequem.“ Über den Zustand des Pfarrhauses heißt es z.B.: „… es ist zu klein und im unteren Stock dunkel und sehr feucht und ungesund“.
Im Juli 1928 feierte Pfarrer Lahner sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Art und Aufwand der Feierlichkeiten - Abholung des Jubilars durch den Bürgermeister in einer Kutsche, Fackelzug zur Kirche und zum Pfarrhaus unter Beteiligung der Vereine und fast der ganzen Pfarrei, Reden, Vorträge und Musik, Überreichung eines schönen gotischen Kelches im Rahmen einer Dankandacht; am nächsten Tag die Hauptfeier durch Dekan Weiland aus Hainstadt mit Nachmittags-Gottesdienst, Theateraufführung und weiteren Ansprachen und Liedvorträgen im „Hirsch“ – zeugen sicher auch von der Beliebtheit und Wertschätzung, die der Jubilar in der ganzen Pfarrei genoss.
Nur zwei Wochen später, am 22. und 23. Juli 1928, fand ein weiteres großes Fest in Schloßau statt. Anlass war der 40. Geburtstag des Krieger- oder Militärvereins. Im Festgottesdienst, der extra auf 8 Uhr vorgezogen wurde, „sprach der hochwürdige Herr Pfarrer Lahner treffliche Worte und bat besonders die Jugend, die Festtage ehrenhaft und würdig zu verbringen“. Am 2. Tag war ein Trauergottesdienst für alle Gefallenen der Gemeinde. In der anschließenden Gedenkfeier am Kriegerdenkmal hielt „der H.H. Pfarrer im Auftrag des Vereins eine tiefempfundene und zu Herzen gehende Ansprache“.
Im Jahr 1928 ließ Pfarrer Lahner verschiedene Instandsetzungsarbeiten am Pfarrhaus durchführen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gab es auch Pläne zum Neubau eines Pfarrhauses.
Am 19. Mai 1931 fand eine weitere Kirchenvisitation durch Dekan Steinel aus Götzingen statt. In dem Bericht, der erst im Oktober 1933 erstellt wurde, wird bestätigt, dass die Räumlichkeiten und kirchlichen Geräte in einem guten Zustand seien und alle Bücher gut geführt würden. Unter Punkt 6 heißt es: „Pfarrer Lahner ist sehr eifrig in seiner Pfarrgemeinde tätig. Neben der regulären pflegt er in weitgehendem Maße auch die außerordentliche Seelsorge. Er genießt das Ansehen und das Vertrauen seiner Pfarrkinder“.
Beklagt wird aber eine gewisse religiöse Gleichgültigkeit, die sich auch im Kirchenbesuch niederschlage. Aber „Dem Pfarrer wird das Zeugnis ausgestellt, dass er sehr eifrig bestrebt ist, diesen Missständen in seiner Pfarrei zu begegnen“.
Zu diesem Zeitpunkt war Schloßau schon eines der bedeutendsten Odenwalddörfer, auch Sitz eines leiningenschen Forstamtes. Es war seit 1928 schuldenfrei. Seit 1934 ging eine Postbuslinie durch Schloßau, im gleichen Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1935 wurden Waldauerbach und Mörschenhardt eingemeindet.
Dies war bereits die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus, dem sich Pfarrer Lahner eher kritisch gegenüberstellte, dessen Höhe- bzw. Tiefpunkt er aber nicht mehr miterleben musste. Nach 18 Jahre Seelsorgetätigkeit in Schloßau verstarb er hier am 13.8.1934. Die Gemeinde hat ihm auf dem Friedhof einen Ehrenplatz bereitgestellt. Das Friedhofskreuz wurde in unmittelbare Nähe seines Grabes versetzt, so dass er am Fuße dieses Kreuzes ruht.
Sein Nachfolger wurde Franz Balzer, der von 1934 bis 1946 in Schloßau tätig war.
1925 lebten in Schloßau 664 Einwohner. Pfarrer Lahner gründete den Kirchenchor und ließ die Orgel renovieren, für die er zudem einen elektrischen Winderzeuger beschaffte.
Am 7. Oktober 1926 fand eine Visitation der Pfarrei durch Dekan Weiland aus Hainstadt statt, in dessen Bericht es u.a. heißt: „Schloßau hat 676 Katholiken und 7 Protestanten. Auerbach hat 136 Katholiken und 1 Protestanten. Die Kirche … befindet sich in gutem Zustand … ist aber feucht…. Die 2 Beichtstühle sind nicht recht bequem.“ Über den Zustand des Pfarrhauses heißt es z.B.: „… es ist zu klein und im unteren Stock dunkel und sehr feucht und ungesund“.
Im Juli 1928 feierte Pfarrer Lahner sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Art und Aufwand der Feierlichkeiten - Abholung des Jubilars durch den Bürgermeister in einer Kutsche, Fackelzug zur Kirche und zum Pfarrhaus unter Beteiligung der Vereine und fast der ganzen Pfarrei, Reden, Vorträge und Musik, Überreichung eines schönen gotischen Kelches im Rahmen einer Dankandacht; am nächsten Tag die Hauptfeier durch Dekan Weiland aus Hainstadt mit Nachmittags-Gottesdienst, Theateraufführung und weiteren Ansprachen und Liedvorträgen im „Hirsch“ – zeugen sicher auch von der Beliebtheit und Wertschätzung, die der Jubilar in der ganzen Pfarrei genoss.
Nur zwei Wochen später, am 22. und 23. Juli 1928, fand ein weiteres großes Fest in Schloßau statt. Anlass war der 40. Geburtstag des Krieger- oder Militärvereins. Im Festgottesdienst, der extra auf 8 Uhr vorgezogen wurde, „sprach der hochwürdige Herr Pfarrer Lahner treffliche Worte und bat besonders die Jugend, die Festtage ehrenhaft und würdig zu verbringen“. Am 2. Tag war ein Trauergottesdienst für alle Gefallenen der Gemeinde. In der anschließenden Gedenkfeier am Kriegerdenkmal hielt „der H.H. Pfarrer im Auftrag des Vereins eine tiefempfundene und zu Herzen gehende Ansprache“.
Im Jahr 1928 ließ Pfarrer Lahner verschiedene Instandsetzungsarbeiten am Pfarrhaus durchführen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gab es auch Pläne zum Neubau eines Pfarrhauses.
Am 19. Mai 1931 fand eine weitere Kirchenvisitation durch Dekan Steinel aus Götzingen statt. In dem Bericht, der erst im Oktober 1933 erstellt wurde, wird bestätigt, dass die Räumlichkeiten und kirchlichen Geräte in einem guten Zustand seien und alle Bücher gut geführt würden. Unter Punkt 6 heißt es: „Pfarrer Lahner ist sehr eifrig in seiner Pfarrgemeinde tätig. Neben der regulären pflegt er in weitgehendem Maße auch die außerordentliche Seelsorge. Er genießt das Ansehen und das Vertrauen seiner Pfarrkinder“.
Beklagt wird aber eine gewisse religiöse Gleichgültigkeit, die sich auch im Kirchenbesuch niederschlage. Aber „Dem Pfarrer wird das Zeugnis ausgestellt, dass er sehr eifrig bestrebt ist, diesen Missständen in seiner Pfarrei zu begegnen“.
Zu diesem Zeitpunkt war Schloßau schon eines der bedeutendsten Odenwalddörfer, auch Sitz eines leiningenschen Forstamtes. Es war seit 1928 schuldenfrei. Seit 1934 ging eine Postbuslinie durch Schloßau, im gleichen Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1935 wurden Waldauerbach und Mörschenhardt eingemeindet.
Dies war bereits die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus, dem sich Pfarrer Lahner eher kritisch gegenüberstellte, dessen Höhe- bzw. Tiefpunkt er aber nicht mehr miterleben musste. Nach 18 Jahre Seelsorgetätigkeit in Schloßau verstarb er hier am 13.8.1934. Die Gemeinde hat ihm auf dem Friedhof einen Ehrenplatz bereitgestellt. Das Friedhofskreuz wurde in unmittelbare Nähe seines Grabes versetzt, so dass er am Fuße dieses Kreuzes ruht.
Sein Nachfolger wurde Franz Balzer, der von 1934 bis 1946 in Schloßau tätig war.
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Auf dem Sockel unter diesem Kreuz auf dem Schloßauer
Friedhof steht folgende Inschrift: HIER RUHT IN GOTT DER HOCHW. HERR PFARRER U. DEFINITOR JOHANNES LAHNER GEB. 7. JAN. 1877 IN OBERWITTIGHAUSEN PFARRER HIER SEIT 20. JULI 1916 GEST. 13. AUG. 1934 CHRISTUS IST MEIN LEBEN, STERBEN MIR GEWINN PHILIPPER 1.21 Quellen: Bruno Trunk, Schloßau - ein Höhendorf im Odenwald Archiv von Bruno Trunk Hans Slama, 900 Jahre Mudauer Odenwald: Vom Fronhofsverband bis zur Gemeinde Mudau Archiv der (heutigen) Seelsorgeeinheit Mudau Freiburger Diözesan-Archiv Walter Herkert, Schloßau im Januar 2019 |
Waldkapelle "Maria Frieden"
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Waldkapelle "Maria Frieden", 1966 - 2016
Im Jahr 2016 kann die Waldkapelle Maria Frieden auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken. Eine Zeit, in der sie allen Wetterlagen standhielt und manchen Wanderer zum Gebet einlud. Pfarrer Johann Buchdunger ging während seiner Zeit in Schloßau (01.11.1964 – 08.10.1975) als Baumeister in die Geschichte der Pfarrgemeinde ein. Unter seiner segensreichen Wirkenszeit entstanden unter anderem die Lourdes-Grotte außen an der Kirche, die Kapelle in „der Hohl“ und die Waldkapelle Maria Frieden, an der „Paffe Buche“ im Distrikt Neuhof. Der Neuhof war früher ein bäuerliches Gut, das zu 2/6 auf Mudauer, 2/6 auf Schloßauer, 1/6 auf Donebacher sowie 1/6 auf Mörschenhardter Gemarkung lag. |
Die Kapelle wurde 1966 dort errichtet, wo man einen erhabenen Ausblick über das gesamte Dorf Schloßau hat und wo der Wanderer zum stillen Gebet eingeladen wird. Zum Bau der Kapelle wurden vom Pfarrer die Schloßauer Männer herangezogen. Dies war unter Pfarrer Buchdunger so üblich, wobei er in seinem Blaumann auch immer wieder selbst mit Hand anlegte. Der Bau erfolgte in Eigeninitiative ohne fremde Mittel und ohne Finanzierung aus Freiburg. Pfarrer Buchdunger hatte diesbezüglich seinen eigenen Stil, wenn es darum ging etwas umzusetzen. Die Steinplatten vor der Kapelle z.B. lagen zuvor als Fußboden in der Kirche St. Wolfgang und wurden im Zuge der großen Kirchenrenovierung in den 1960er Jahren entfernt und durch Kunststein ersetzt. So fanden sie unter dem rührigen Pfarrer hier eine weitere Verwendung.
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Einweihung der Waldkapelle "Maria Frieden" im Jahr 1966
Thomas Müller, 2016 |
Im überdachten Innenraum der Kapelle befindet sich ein Marienaltar mit einem großen Standbild der Gottesmutter, welche einen Rosenkranz in ihren Händen hält. Die Statue stammt aus dem Marienwallfahrtsort Kevelaer in Nordrhein-Westfalen. Im gesamten Innenbereich und vor der Toranlage der Kapelle sind Bänke aufgebaut. Über die warme Jahreszeit sind die Tore geöffnet, so dass praktisch immer eine Einkehr möglich ist. Im Winter ist der vordere Bereich der Kapelle geschlossen, aber trotzdem zugänglich.
Im Mai werden an der Kapelle immer wieder Andachten zu Ehren unserer Gottesmutter abgehalten. Diese ziehen auch Pilger der umliegenden Dörfer an. Die Kapelle ist auch ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel der Bevölkerung aus nah und fern. Sie wurde bereits mehrfach nachgebessert und gestrichen. Dieses Kleinod wird permanent durch fromme Mitbürger in Eigenregie gepflegt und in Schuss gehalten. Hierfür gilt unser aller Dank! |
Lourdes-Grotte 50
Lourdes-Grotte wird 50 Jahre
Wirft man einen Blick in die alten Schloßauer Kirchenbücher, so entdeckt man dort bereits im Jahr 1885 einen Eintrag über eine Lourdes-Grotte an der westlichen Außenmauer der Pfarrkirche St. Wolfgang. Pfarrer Bechtold hatte dort zu jener Zeit eine kleine Grotte errichten lassen, um an die Marienerscheinungen von Lourdes zu erinnern. Die Ordensschwester Bernadette Soubirous hatte nämlich im Jahr 1858 in einer Grotte im französischen Lourdes mehrere Erscheinungen der heiligen Maria, die sich letztendlich zu einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte weltweit entwickeln sollte.
Wirft man einen Blick in die alten Schloßauer Kirchenbücher, so entdeckt man dort bereits im Jahr 1885 einen Eintrag über eine Lourdes-Grotte an der westlichen Außenmauer der Pfarrkirche St. Wolfgang. Pfarrer Bechtold hatte dort zu jener Zeit eine kleine Grotte errichten lassen, um an die Marienerscheinungen von Lourdes zu erinnern. Die Ordensschwester Bernadette Soubirous hatte nämlich im Jahr 1858 in einer Grotte im französischen Lourdes mehrere Erscheinungen der heiligen Maria, die sich letztendlich zu einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte weltweit entwickeln sollte.
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Einweihung der Schloßauer Lourdes-Grotte im Jahr 1967
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Im Jahr 1887, so wird weiter berichtet, gab es auch eine Wallfahrt zur neuen Schloßauer Grotte. Ob in den Jahren darauf weitere folgten, ist allerdings nicht überliefert. Im Mai 1910 wurde diese kleine Grotte unter dem damaligen Pfarrer Väth einer gründlichen Renovierung unterzogen, denn die Witterung hatte ihr zugesetzt. Die Kosten der Renovierung, ungefähr 200 Mark, wurden größtenteils durch eine Hauskollekte von den Schloßauer Bürgern aufgebracht. In der weiteren Zeit überstand die Grotte unbeschadet die beiden Weltkriege und blieb bis zum Jahr 1967 in ihrer Äußerlichkeit unverändert.
Mit Beginn der 1960er Jahre wurde das Innere der Pfarrkirche einer gründlichen Renovierung unterzogen, die unter Pfarrer Johann Buchdunger zum Ende dieses Jahrzehnts ihren Abschluss fand. Im Jahr 1967 schien dann schließlich auch die kleine Grotte an der Westfront nicht mehr zeitgemäß zu sein und so ließ Pfarrer Buchdunger diese entfernen und durch eine |
neue Variante ersetzen. Diese neue Grotte wurde aus Bauländer Kalkstein errichtet. Pfarrer Buchdunger war ein großer Marienverehrer und somit wurde auch bei der neuen Grotte die Szene der Marienerscheinung von Lourdes dargestellt. Die Statue der Muttergottes ist 122 cm hoch, die der Bernadette misst 75 cm. Nach einigen Wochen Arbeit war die Grotte durch fachkundige Helfer fertiggestellt. Pfarrer Buchdunger hatte bei der Umsetzung derartiger Baumaßnahmen seinen „eigenen Stil“. So ließ er es sich z.B nicht nehmen, auch selbst Hand anzulegen, wenn es um die Ausführung von Arbeiten ging. Legendär ist sein „blauer Anton“. Die Ablehnung diverser Baumaßnahmen durch die Diözesanverwaltung Freiburg ignorierte er ebenso wie von dort nicht akzeptierte Rechnungen. Irgendwie kam er aber immer wieder an die erforderlichen Mittel und setzte seine Vorhaben in die Tat um.
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Letztendlich ging er als der Schloßauer Kapell(en)meister in die Geschichte ein, denn nicht weniger als drei Kapellen entstanden während seiner segensreichen Zeit in Schloßau.
Am Sonntag, dem 03.12.1967, erfolgte im Rahmen einer Vesperandacht die feierliche Einweihung der neuen Lourdes-Grotte. Den Teilnehmern blieb in Erinnerung, dass an diesem Tag extremer Nebel die Wetterlage bestimmte. Exakt zum Zeitpunkt der Einweihung wich der Nebel strahlendem Sonnenschein. Danach zog sich die Wolkendecke laut der damaligen Zeitungsanzeige wieder zu. Die Statuen der Grotte wurden über die letzten 49 Jahre durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen. 2016 wurden diese durch den Bildhauer Ralf Drolshagen neu gefasst. Die Grotte selbst erfuhr in den letzten 50er Jahren jedoch keine äußerlichen Veränderungen und in den Abendstunden wird das Innere der Grotte gelegentlich beleuchtet und hüllt so die Marienerscheinung in ein spezielles Licht. |
Maiandacht zum 50-jährigen Jubiläum am 21. Mai 2017
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Thomas Müller, Schloßau im Mai 2015